Er oder sie: wer zahlt eigentlich beim ersten Date?

Nach wie vor sehen viele Männer sich in der Pflicht. Doch klar ist nur: Es ist kompliziert – auch wenn sich in den vergangenen Jahrzehnten einiges geändert hat. Wer zahlt heutzutage beim ersten Date? Er oder Sie?

Es ist der Moment, der vieles zerstören kann bei einem Date: Der Kellner tritt an den Tisch, die Rechnung in der Hand und fragt: „Getrennt oder zusammen?“ Das kann schon ganz schön nervös machen. Soll er die Frau einladen? Erwartet sie es sogar? Das Thema ist kompliziert. Fest steht nur: Nichts steht fest!

Wer zahlt dann nun eigentlich beim ersten Date?

Hat sich etwas gar nichts verändert in den vergangenen Jahrhunderten?

Trotz Emanzipation und Feminismus? Doch, auf jeden Fall! Diese uralten Mann-Frau-Umgangsformen kommen ja aus einer Zeit, in der die Frau gar kein Geld hatte“, sagt sie. Der Mann verdiente das Geld. Bis 1977 durfte die Frau nur arbeiten, „soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist“, wie es im Bürgerlichen Gesetzbuch hieß. Bis 1958 konnte der Ehemann die Arbeit seiner Frau sogar kündigen, ohne sie zu fragen, wenn dadurch „die ehelichen Interessen beeinträchtigt“ wurden.

Die Zeiten haben sich geändert und damit auch die Frage, wer beim Date zahlt. Am besten sollte man schon beim Vorschlag, miteinander essen zu gehen, deutlich machen, ob man den anderen einladen möchte. Die Frage „Wollen wir zusammen essen gehen?“ könne missverstanden werden. Besser sei: „Hast du Lust, mit mir essen zu gehen? Ich würde dich gern einladen“ – egal ob Mann oder Frau. Der andere könne dann immer noch sagen: „Gern, aber lass uns jeder für sich bezahlen“. Denn es gibt eine Reihe von Frauen, die das nicht wollen, weil sie sich dadurch abhängig fühlen.

Doch was ist nun richtig?

Doch was, wenn man vorher nichts abgesprochen hat, und der Kellner erwartungsvoll am Tisch steht? In Filmen greift dann die Frau zur Handtasche, signalisiert, dass sie zahlen will, bis der Mann sagt: „Ich mach das schon.“ Im Englischen gibt es sogar einen Begriff für diesen Griff zum Portemonnaie: „the reach“. Das Spiel ist wichtig, weil beide dadurch signalisieren, dass sie zahlen wollen. Das sorgt dafür, dass der andere sich wertgeschätzt fühlt. Wer dann letztendlich zahle, sei zweitrangig.

Der Zahlende hat jedoch einen psychologischen Effekt auf seiner Seite: Der Eingeladene fühlt sich eher verpflichtet, etwas zurückzugeben – und sei es nur eine Stunde seiner Zeit. Man spricht dabei vom Prinzip der Reziprozität. Das kennt man aus dem Supermarkt: Man darf einen Brotaufstrich probieren und will dann dieser Firma etwas zurückgeben. Was dazu führe, dass man den Brotaufstrich eher kaufe. Das funktioniert auch beim Date. Denn da komme noch ein zweiter psychologischer Effekt hinzu: „Wenn ich etwas für den anderen investiere, dann macht das die Person in meinen Augen attraktiver.“

Wer extra für ein Date von München nach Hamburg fährt, hat demnach so viel Mühe und Geld in das Treffen gesteckt, dass ihm der Datepartner automatisch begehrenswerter erscheine.

Am einfachsten ist die Bezahlfrage ohnehin, wenn sich beide gefallen und es nicht nur bei einem Date bleiben soll. Denn dann kann man nach dem Essen sagen: „Ich bezahle jetzt, du kannst ja beim nächsten Mal zahlen.“ Das könne selbstverständlich auch eine Frau sagen. So neu ist diese Idee nämlich gar nicht.

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